Berlin. Mitte April trafen sich in Berlin beim Bundesverband Medizintechnologie (BVMeD) Hörgeräteakustiker, HNO-Ärzte und Krankenkassen zu einem ersten Roundtable. Das Thema: die Hörgeräteversorgung im Verkürzten Versorgungsweg und die „Qualitätsinitiative Verkürzter Versorgungsweg“ (QVV).

Rund drei Prozent der Patienten erhalten aktuell ihr Hörgerät über den Verkürzten Versorgungsweg. Die Versorgungsform ist noch mit einigen Vorurteilen behaftet. Angeblich sei die Versorgungsqualität nicht adäquat und es mangele an Service.

Aufklären über den Verkürzten Versorgungsweg bei Hörgeräten

Dass dem nicht so ist, zeigt die QVV, welche Versorgungsstandards und Versorgungsabläufe einheitlich definiert und durch eine Online-Meisterpräsenz gewährleistet. Ein weiteres Merkmal des Verkürzten Versorgungsweges war bereits seit jeher die enge und kontinuierliche audiologische und medizinische Begleitung des Kunden. Diese arbeitsteilige Versorgung durch den HNO-Arzt und den Hörgeräteakustiker ermöglicht eine ganzheitliche und stetige Betrachtung des Gesundheitszustands des Patienten. Die QVV soll Transparenz schaffen, über den Verkürzten Versorgungsweg aufklären und dazu beitragen, dass immer mehr Krankenkassen dieses moderne Versorgungskonzept auch ihren Versicherten zur Verfügung stellen.

Beitrag der HNO-Ärzte bei der Versorgung mit Hörgeräten

Die am Verkürzten Versorgungsweg teilnehmenden HNO-Ärzte versorgen ihre Patienten nur dann mit Hörgräten, wenn diese ausdrücklich ihre Wahlfreiheit wahrgenommen haben und sich für diese arbeitsteilige Versorgung entscheiden haben. Zentraler Antrieb für HNO-Ärzte ist, dass sie ihren Patienten eine innovative und qualitativ hochwertige Versorgungsalternative zum Fachgeschäft anbieten können. Die HNO-Ärzte nehmen zudem regelmäßig an entsprechenden Fortbildungen teil.

Aufzahlungsfreie Hörgeräte im Verkürzten Versorgungsweg

Die Zusammenarbeit zwischen Hörgeräteakustikern und HNO-Ärzten im Verkürzten Versorgungsweg bringt sowohl Kostenvorteile für den Patienten als auch für die Krankenkassen. Die aufzahlungsfreie Versorgungsquote der Mitglieder der „Qualitätsinitiative Verkürzter Versorgungsweg“ lag im ersten Quartal 2015 bei ca. 70 Prozent, die durchschnittliche private Aufzahlung des Versicherten in diesem Zeitraum betrug nur 148,00 Euro. Die Anbieter des Verkürzten Versorgungsweges konnten somit belegen, dass er eine qualitativ hochwertige und zugleich kostengünstige Versorgungsalternative darstellt.

Kartellamt stärkte Alternativen in der Hörgeräteversorgung

Die Referenten beim ersten Roundtable „Verkürzter Versorgungsweg in der Hörgeräteversorgung“ stellten daher fest, dass der Verkürzte Versorgungsweg ein wichtiges Wettbewerbselement im Hörgerätemarkt ist. Nicht zuletzt deswegen, weil das Bundeskartellamt im November 2011 mit seinem Urteil die Wettbewerbsbeschränkungen beim Hörgerätevertrieb beseitigt hat. So erhielt auch der Verkürzte Versorgungsweg als Alternative zum Fachgeschäft einen Zugang zum Absatzmarkt für Hörgeräte.